Schloss Książ erhebt sich über die bewaldeten Hügel Niederschlesiens bei Wałbrzych. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein prächtiges Schloss mit Terrassen und Türmen. Doch der Ort spiegelt Jahrhunderte politischer Veränderungen wider. Seine Mauern dokumentieren eine komplexe europäische Geschichte, die von wechselnden Grenzen und Kriegen geprägt wurde.
Mittelalterliche Ursprünge und adlige Herrschaft
Ende des 13. Jahrhunderts als Wehrburg gegründet, entwickelte sich die Festung im Laufe der Zeit zum aristokratischen Wohnsitz Schloss Fürstenstein. Architektonische Veränderungen zeigten die politischen Umbrüche in Schlesien, einer Region, die von böhmischer, österreichischer und preußischer Herrschaft geprägt war.
Über Jahrhunderte prägten Adelsfamilien die Entwicklung des Anwesens. Erweiterungen brachten barocke Elemente und gestaltete Gärten mit sich. Die Architektur zeigt bis heute, wie Wohlstand und Macht zum Ausdruck gebracht wurden. Jede Umgestaltung hinterließ sichtbare Spuren, die bis heute Teil des Schlosses sind.
Bis 1945 wechselte die Zugehörigkeit der Region mehrfach. Für viele Deutsche ist diese Vergangenheit Teil einer gemeinsamen mitteleuropäischen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschoben sich die Grenzen, und Schlesien wurde polnisches Staatsgebiet. Auch Eigentum und Identität des Schlosses wandelten sich – ein Spiegel größerer geopolitischer Veränderungen.
Nationalsozialistische Besetzung und Veränderungen im Krieg
1944 beschlagnahmte das NS-Regime das Anwesen. Es wurde Teil von Projekt Riese, einem großen unterirdischen Bauprogramm in Niederschlesien. Umfangreiche Tunnel wurden in das Gestein unterhalb des Schlosses und der umliegenden Hügel getrieben.
Bis heute diskutieren Historiker über den Zweck des Komplexes. Erhaltene Hinweise deuten auf Verwaltungs- oder Militärnutzung hin, doch eindeutige Belege fehlen. Die unvollendeten Bauwerke zeigen, dass das Projekt vor der Niederlage Deutschlands 1945 nie abgeschlossen wurde.
Mehr als 13.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge mussten unter extremen Bedingungen an mehreren Orten in der Region arbeiten. Viele litten unter Erschöpfung, Hunger und Krankheit. Heute thematisieren Ausstellungen im Schloss Książ diese Zeit direkt. Sie zeigen Archivmaterial und Zeitzeugenberichte und stellen den Ort in den Kontext der nationalsozialistischen Ausbeutung und des Krieges.

